Craniosacrale Energiearbeit – Sanfte Impulse, tiefe Regulation
- cniewiesk7
- 31. März 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Apr. 2025

Ein körperorientierter Zugang zur Psyche im Licht neuer therapeutischer Erkenntnisse
In der heutigen Psychotherapie spielt der Körper eine immer zentralere Rolle. Emotionale Belastungen, chronischer Stress, Erschöpfung oder Traumata zeigen sich nicht nur im Denken oder Fühlen – sie prägen auch den Körper: in Haltung, Spannung, Atmung oder innerer Unruhe. Die craniosacrale Energiearbeit bietet hier einen stillen, aber tiefgreifenden Zugang: eine achtsame Form der Körperarbeit, die das Nervensystem berührt – und darüber die Selbstregulation, emotionale Stabilität und psychische Gesundheit fördert.
Verkörperung als Schlüssel – der Körper als Speicher von Erfahrung
Moderne Konzepte wie das Embodiment, die Polyvagaltheorie (Stephen Porges) oder die Somatic Experiencing®-Arbeit (Peter Levine) zeigen: Der Körper „weiß“ oft schon, was unser bewusster Verstand noch nicht greifen kann. Belastende Erlebnisse – insbesondere solche, die mit Überforderung, Ohnmacht oder chronischem Stress verbunden waren – hinterlassen Spuren im Nervensystem. Häufig entstehen unbewusst Schutzmechanismen wie muskuläre Anspannung, Rückzug oder emotionale Abflachung, die langfristig das psychische Gleichgewicht beeinträchtigen können.
Craniosacrale Energiearbeit setzt hier an. Sie arbeitet mit dem feinen Rhythmus des craniosacralen Systems – jener Bewegung, die durch das Pulsieren der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit entsteht. Durch achtsame, manuelle Impulse an Schädel, Wirbelsäule und Becken entsteht ein Raum, in dem das Nervensystem entlastet und wieder in Balance gebracht werden kann.
Die Rolle der Achtsamkeit
Achtsamkeit ist ein zentrales Element in der craniosacralen Arbeit. Nicht als Technik, sondern als Haltung – als freundliche, wache Präsenz gegenüber dem, was ist. In der achtsamen Berührung, im respektvollen Lauschen auf die Körpersignale entsteht ein Raum, in dem Spannungen nicht bekämpft, sondern gesehen und gehalten werden. Achtsamkeit erlaubt dem Körper, sich im eigenen Tempo zu öffnen – ohne Bewertung, ohne Ziel. Sie schafft Verbindung: zu sich selbst, zur eigenen Wahrnehmung, zur inneren Lebendigkeit.
Die neurobiologische Wirkung – Regulation des autonomen Nervensystems
Immer mehr Forschung zeigt: Der Zustand unseres autonomen Nervensystems hat direkten Einfluss auf unsere psychische Gesundheit. Ist dieses System dauerhaft in einem Zustand von Übererregung (Kampf/Flucht) oder Untererregung (Erstarrung, Dissoziation), können Symptome wie Angst, Erschöpfung, Schlafprobleme oder psychosomatische Beschwerden entstehen.
Craniosacrale Energiearbeit unterstützt die Rückkehr in einen regulierten Zustand. Durch die sanfte Berührung wird der sogenannte ventrale Vagusnerv aktiviert – ein Schlüsselfaktor für Sicherheit, soziale Verbindung und emotionale Stabilität. Der Körper darf „herunterfahren“, der Geist kommt zur Ruhe. Dies schafft nicht nur Erleichterung, sondern öffnet auch therapeutische Räume für Selbsterkenntnis, Integration und Entwicklung.
Therapie mit Weite – begleitend, stabilisierend, tiefgehend
Diese Arbeit eignet sich besonders als begleitendes Element in psychotherapeutischen Prozessen. Sie kann verbaltherapeutische Sitzungen auf somatischer Ebene ergänzen, Klient*innen stabilisieren und neue Erfahrungsräume schaffen – jenseits von Worten, Bewertungen oder kognitiven Erklärungen.
Typische Anwendungsfelder sind:
• Psychosomatische Beschwerden (z. B. Spannungen, Kopfschmerzen, Reizdarm, Herzrasen)
• Emotionale Überforderung und Erschöpfungszustände
• Trauma-Nachwirkungen (auch Entwicklungstrauma, Bindungstrauma)
• Angstzustände, innere Unruhe, Schlafprobleme
• Chronische Stressmuster und Nervositätszustände
• Wunsch nach innerer Stabilität, Zentrierung und Selbstwahrnehmung
Ein Raum für achtsames Dasein
In der craniosacralen Energiearbeit geht es nicht um Technik, sondern um Beziehung – zu sich selbst, zum Körper, zur eigenen Lebendigkeit. Die Berührung ist still, klar, einfühlsam. Sie lädt ein, präsent zu werden – ohne „machen zu müssen“. In dieser Präsenz können sich unbewusste Muster zeigen, dürfen Spannungen weichen, darf das System sich neu sortieren.
Ich verstehe diese Arbeit als Einladung zur Entfaltung – im eigenen Tempo, in einem sicheren Raum. Sie ist kein Ersatz für Psychotherapie, sondern eine fein abgestimmte Ergänzung, Stabilisierung und Vertiefung. Besonders in der Verbindung mit achtsamkeitsbasierten oder körperorientierten psychotherapeutischen Ansätzen zeigt sich ihr volles Potenzial.
Spür dich. Werde still. Entfalte dich.



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